Tschernobyl Reaktor 4 (Foto: Carl Montgomery – Flickr, CC BY 2.0)
Tschernobyl Reaktor 4 (Foto: Carl Montgomery – Flickr, CC BY 2.0)

Relikte einer veralteten Energieversorgung

Stellen Sie sich vor: Vor 60 Jahren haben Sie zur damaligen Zeit ein top-modernes, sicheres Auto zu einem staatlich subventionierten günstigen Preis bekommen. Daran war jedoch eine Bedingung geknüpft: Wenn der Wagen außer Betrieb genommen wird, muss er sicher über Generationen in Ihrer zubetonierten Garage stehen bleiben. Um diese Fahrzeug trotzdem schmackhaft zu machen, musste man sich nicht versichern; dass heißt im Falle eines Unfalls haftet man zwar, aber das größte Risiko trägt die Bürgerschaft. Eigentlich klingt so ein Angebot extrem verlockend: ein sicheres, bezahlbares und sauberes Auto. Doch nun 60 Jahre später ist das Auto trotz zahlreicher Modernisierungen nicht mehr das Topmodell und muss ausrangiert werden. Es kommt wie es kommen muss. Einmotten in die Garage und zubetonieren, für die nächsten eine Million Jahre.

In diesen 60 Jahren war das Fahrzeug gemessen an der Laufleistung relativ sicher; es gab „nur“ drei große Unfälle bei denen tausende Menschen gefährdet und Landstriche auf lange Zeit, also richtig lange Zeit unbewohnbar wurden.

Eines dieser Unglücke war Tschernobyl, welches sich vor 30 Jahren ereignete. Die Folgekosten für Mensch und Natur überschreiten jegliche Gewinnspanne eines solchen Kraftwerks. Und dennoch scheint es im Interesse der Menschheit zu liegen, unabwägbare Risiken zeitlich und räumlich auszulagern für einen vermeintlichen Vorteil im Hier und Jetzt.

Der Atomausstiegs in Deutschland wurde eben erst begonnen und wird uns noch über 2050 hinaus beschäftigen – auch hier in Bayern mit dem Zwischenlager Gundremmingen und dem Rückbau der Kraftwerke; denn wir haben noch nicht einmal eine zuverlässige Garage für diese betagten Modelle. Und nur weil in Deutschland diese Autos ab 2021 nicht mehr auf der Straße sind, werden in Europa neue gebaut (England) und Schrottlauben (z.B. in angrenzenden Ländern Tschechien, Belgien und Frankreich) fahrlässig weiterbetrieben.

Der Ausstieg aus der Kernenergie muss europäisch konsequent weitergeführt werden und die Transformation der Energiebereitstellung hin zu bezahlbarer, nachhaltiger und risikoärmeren Technologien erfolgen. Auch wenn diese Technologie zu 99,9% sicher ist, gibt es, so lehrt die Vergangenheit, ungefähr alle 20 Jahre weltweit einen GAU. Da bleibt nur zu hoffen, dass wir wirklich noch 15 Jahre Zeit bis dahin haben.

Bündnis 90/Die Grünen Ortsverband Lechfeld fordert von der bayrischen Staatsregierung den Atomausstieg jetzt durchzusetzen und Gundremmingen noch 2017 komplett abzuschalten.